Wenn der Abstand zur Rente wächst: Generationenwechsel braucht Fahrt
Niedersachsen steht vor einem gewaltigen personellen Umbruch: Innenministerin Daniela Behrens wies jüngst erneut auf eine alarmierende Prognose hin – in den kommenden zehn Jahren wird nahezu ein Drittel der aktuell insgesamt rund 260.000 Beschäftigten im Landesdienst in den Ruhestand gehen. Dieser demografische Umbruch stellt den öffentlichen Dienst vor große Herausforderungen – vor allem, weil viele Stellen ersetzt, Erfahrungen gesichert und die Funktionsfähigkeit der Verwaltung bewahrt werden müssen.
Nachwuchs als sicherer Hafen – Vielfalt, Sicherheit, Perspektive
Der Einstieg über eine Ausbildung oder ein duales Studium im öffentlichen Dienst bleibt attraktiv – und das aus mehreren Gründen. Das Land Niedersachsen ist nicht nur der größte Arbeitgeber im Bundesland, sondern bietet über 80 Ausbildungsberufe, diverse duale Studiengänge und Stipendienprogramme. Junge Menschen finden hier eine enorme Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten – vom Verwaltungsfachangestellten bis zur IT-Fachkraft.
Besonders hervorzuheben sind die vergleichsweise guten Ausbildungsvergütungen. So erhalten angehende Verwaltungsfachangestellte beim Landesamt für Soziales, Jugend und Familie im ersten Ausbildungsjahr rund 1.236 Euro, im dritten Jahr bereits etwa 1.340 Euro. Hinzu kommen meist hohe Übernahmechancen, die in Zeiten des Fachkräftemangels ein starkes Argument darstellen. Auch kommunale Verwaltungen – wie etwa die Stadt Hameln oder die Samtgemeinde Papenteich – bieten attraktive Bedingungen, darunter Fahrtkostenerstattung, Lernmittelzuschüsse und flexible Arbeitszeiten.
Darüber hinaus bemüht sich das Land verstärkt um Vielfalt: Obwohl rund 25 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung eine Migrationsgeschichte haben, liegt ihr Anteil im Landesdienst bislang nur bei etwa 11 Prozent. Eine neue Videokampagne soll dies ändern und gezielt junge Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ansprechen.
Nachwuchs sichern – aber wie gelingt die Übergabe?
Langfristige Personalsicherung erfordert mehr als gute Ausbildungsbedingungen. Es geht darum, Wissen und Erfahrung systematisch weiterzugeben. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat dies früh erkannt: Bereits 2021 zeigte eine Analyse, dass bis 2036 fast die Hälfte des Personals altersbedingt ausfallen wird. Der Betrieb reagierte mit Mentoring-Programmen, gezielter interner Talentförderung und digitalem Wissensmanagement.
Diese Maßnahmen zeigen, dass es nicht nur um das Besetzen freier Stellen geht, sondern um einen strukturierten Übergang zwischen den Generationen. Für den öffentlichen Dienst bedeutet dies unter anderem und schwerpunktmäßig, jungen Kolleginnen und Kollegen früh Verantwortung zu übertragen und ihnen Entwicklungsperspektiven zu bieten.
Herausforderungen, Stolpersteine und Chancen
Der Generationswechsel birgt zahlreiche Herausforderungen: Zum einen müssen die zahlenmäßig hohen Abgänge der Babyboomer-Generation personell aufgefangen werden. Dazu braucht es kontinuierliche Ausbildungs- und Studienangebote sowie verlässliche Übernahmegarantien. Zum anderen gilt es, die Belegschaft vielfältiger zu gestalten – durch gezielte Ansprache bisher unterrepräsentierter Gruppen.
Ein weiterer Aspekt ist die Sicherung von Wissen und Erfahrung. Hier spielen strukturierte Nachfolgeplanung, Mentoring und Weiterbildungsangebote eine Schlüsselrolle. Auch Quereinsteiger können eine wertvolle Ergänzung sein, stoßen jedoch oft auf Hürden wie eine unattraktive Eingruppierung im Vergleich zur Privatwirtschaft.
Nicht zuletzt ist die Gestaltung von Karrierewegen im öffentlichen Dienst entscheidend: Der Aufstieg in höhere Laufbahnen ist möglich, erfordert aber klare Regelungen und transparente Verfahren. Wer Verwaltungsfachangestellte beispielsweise in den gehobenen Dienst entwickeln will, muss die entsprechenden Vorgaben der Niedersächsischen Laufbahnverordnung (NLVO) im Blick behalten.
Die Rolle des dbb niedersachsen
Der Generationswechsel im öffentlichen Dienst ist mehr als nur eine Personalfrage. Er ist eine Chance, den öffentlichen Dienst zu modernisieren, die Arbeitskultur zu erneuern und die Vielfalt zu stärken. Der dbb niedersachsen kann und wird hier eine entscheidende Rolle spielen, indem er sich für attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen einsetzt, verlässliche Übernahmegarantien verhandelt und die Interessen von jungen Beschäftigten ebenso wie von erfahrenen Kräften vertritt. Die Gewährleistung betrieblicher und behördlicher Mitbestimmung ist eine der Kernaufgabe des dbb niedersachsen und seiner Mitgliedsgewerkschaften und unterstreicht daher die verbandspolitische Rolle.
Zugleich kann der dbb niedersachsen als gewerkschaftliche Spitzenorganisation aktiv Diversitätsstrategien unterstützen um den Landesdienst repräsentativer zu machen und dafür sorgen, dass junge Kolleginnen und Kollegen früh in gewerkschaftliche Netzwerke eingebunden werden. So wird aus dem Generationswechsel kein Bruch, sondern ein fließender Übergang in einen starken, zukunftsfähigen öffentlichen Dienst.
Linktipps für Ausbildungsinteressierte
Ausbildungsbörse Niedersachsen: Stichwortsuche „Öffentlicher Dienst Niedersachsen“
Spezielle Ausbildungsinfos für Verwaltungsfachangestellte