Mehr als 2.200 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes haben am 10. Februar 2026 in Hamburg ein starkes Zeichen gesetzt. Mit einer gemeinsamen Protestaktion wandten sie sich gegen die Blockadehaltung der Länder in der Einkommensrunde 2026 – und machten dabei unmissverständlich klar, wie ernst die Lage ist. Einige der Teilnehmenden gingen dabei buchstäblich ins kalte Wasser und sprangen in die Elbe.
Die Aktion stand unter dem Motto „Wir gehen baden, damit der Norden nicht absäuft“ und war bewusst als geschlossenes Signal des Nordens angelegt. Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen zeigten gemeinsam, dass die norddeutschen Länder in der Tarifauseinandersetzung zusammenstehen. Für den dbb niedersachsen waren der Landesvorsitzende Alexander Zimbehl sowie weitere Kolleginnen und Kollegen aus der Landesgeschäftsstelle und aus den Fachgewerkschaften vor Ort und beteiligten sich aktiv an der Protestaktion.
Ein besonders eindrucksvolles Zeichen setzte eine mutige Kollegin aus Niedersachsen: Für den dbb niedersachsen ging sie gemeinsam mit anderen Protestierenden in die Elbe. Damit machte sie deutlich, dass Zusammenhalt und Solidarität im öffentlichen Dienst keine Ländergrenzen kennen und die Beschäftigten der Länder fest zusammenstehen.
dbb-Vize Andreas Hemsing fand in seiner Rede klare Worte: „Stellen wir uns einmal vor, es gäbe keinen öffentlichen Dienst. Keine Lehrkräfte, die Bildung vermitteln. Keine Polizei, die für Sicherheit sorgt. Keine Pflegekräfte, die für die Menschen da sind. Dieses Gedankenspiel zeigt ganz deutlich: Ohne uns geht es nicht!“
Hemsing verwies auf die massiven Herausforderungen, vor denen der öffentliche Dienst steht. Mehr als 600.000 Beschäftigte fehlen bereits heute, gleichzeitig ist das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates auf einem Tiefpunkt. „Wir brauchen gute und engagierte Beschäftigte mehr denn je – und die gewinnen wir nur mit guter Bezahlung. Deshalb sind sieben Prozent mehr Einkommen, mindestens jedoch 300 Euro, absolut gerechtfertigt“, betonte Hemsing.
Auch die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten spielten eine zentrale Rolle. Thomas Treff, Vorsitzender des dbb hamburg, machte deutlich: „Gerade in den Großstädten wird das Leben immer teurer. Die Mieten steigen seit Jahren, und im Supermarkt liegt für dasselbe Geld immer weniger im Einkaufswagen. Besonders die unteren Einkommensgruppen brauchen jetzt ein deutliches Plus.“
Zeit- und systemgerechte Übertragung unverzichtbar
Deutliche Kritik an einer möglichen verzögerten Übertragung eines Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten äußerte Kai Tellkamp, Vorsitzender des dbb schleswig-holstein: „Schon jetzt anzukündigen, dass eine Übertragung erst Monate später erfolgen soll – ohne dass überhaupt ein Tarifergebnis vorliegt – ist respektlos und ein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Die Übertragung muss zeit- und systemgerecht erfolgen.“
Ein weiteres Thema waren die bestehenden Einkommensunterschiede im Straßen- und Verkehrsdienst. Hermann-Josef Siebigteroth, Bundesvorsitzender der Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten (VDStra.), forderte gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit: „Es ist nicht hinnehmbar, dass Landesbeschäftigte weniger verdienen als Beschäftigte der Autobahn GmbH. Die Länder müssen hier endlich liefern.“
Die Perspektive der jungen Generation brachte Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, ein: „Alle reden über Fachkräftemangel, aber Worte allein reichen nicht. Der öffentliche Dienst steht in direkter Konkurrenz zur Privatwirtschaft. Wer Nachwuchs will, muss konkurrenzfähig bezahlen. 200 Euro mehr für Auszubildende und Studierende sollten drin sein – sonst geht der öffentliche Dienst baden.“